Interview mit Lem Enzinger & Joe Eder (Oktober 2008)

(c) ARF
Dass uns der Verein "Rock & Blues Villach" ein absolutes Hammerfestival geboten hat,
steht wohl außer Frage. Einzig die Tatsache, dass an beiden Tagen gerade mal
200 Zuseher den Weg in die Wörtherseehalle fanden, trübte die Stimmung ein wenig.
Ich befragte Lem Enzinger (NO BROS) und Joe Eder (SPEED LIMIT) zur Lage ums ARF.
Here we go...



Rückblickende Kommentare zum Austrorock-Festival?


Lem:
Auf den Auftritt beim ARF haben wir uns lange gefreut, immerhin hatten wir bis dahin ja noch keine Gelegenheit gehabt, mit den reunionierten NO BROS in Kärnten zu spielen. Schade nur, dass so wenig Leute gekommen sind. Jene, die sich nicht dazu aufraffen konnten, ihre Fernsehsessel zu verlassen, haben meiner Meinung nach wirklich was verpasst. Alle Bands haben hammermäßig abgerockt! Besonders leid tut's mir um das tolle Team um Veranstalter Ali Pernul, das tatsächlich keine Kosten und Mühen gescheut, ja, sich den Arsch aufgerissen hat, um etwas wirklich Großes auf die Füße zu stellen. Und um der vor allem von den staatlichen Medien, vor allem von unserem geliebten Konservensender Ö3, seit Jahrzehnten sträflich vernachlässigten österreichischen Rockmusik einen wichtigen Impuls zu geben. Dennoch wollen sie sich, wie ich gehört habe, nicht unterkriegen lassen und im nächsten Jahr einen weiteren Versuch starten. Vielleicht können wir dann ja wieder dabei sein. Wir würden uns freuen! Vielen Dank an dieser Stelle noch mal an Ali und seine Leute! Keep the fire burning!!!


Joe:
Eine super Party, perfekt vorort organisiert, tolle Bands. Kärnten ist zwar schon lange nicht nur das "Haider-Land" für uns, aber jetzt ist es noch wesentlich netter geworden. Wir haben einige Freunde dazu gewonnen und viele alte wieder treffen dürfen."





Woran hat es eurer Meinung nach gelegen, dass so wenig Zuseher gekommen sind?


Lem:
Nun, ich finde, es war schon verdammt mutig, ein derart großes Ding mit einem solchen Line-Up durchzuziehen. Gerade die Kids kennen die meisten der Bands, die da aufgetreten sind, überhaupt nicht. Und viele von denen, die etwa in den 80ern dabei waren, haben heute einfach kein Interesse mehr an der Musik und den Konzerten oder sind ganz einfach zu träge, zu solchen Veranstaltungen zu gehen. Das Hauptproblem ist jedoch, wie schon zuvor angesprochen, die mangelnde Präsenz der österreichischen Rockmusik in den wichtigen Medien, auch wenn sich diese neuerdings u. a. etwa mit so genannten "neuen Österreichern" schmücken. Eine lächerliche Augenauswischerei, wenn man die Hintergründe und vor allem die Zahlen bzw. Quoten kennt. Und - mal in eigener Sache - die "alten Österreicher" sind ja eigentlich auch noch nicht tot, auch wenn sie mit Nachdruck totgeschwiegen werden. Was ist mit denen? Aber ich schweife ab.


Joe:
Aus der Entfernung können wir nur schwer einschätzen, warum so wenige gekommen sind. Denke, die Werbung hat gepasst. Jede einzelne Band - und wir natürlich aus dem fernen Salzburg umso mehr - muss sich natürlich auch fragen, warum ihre Fans nicht gekommen sind oder weiter an ihrem Bekanntheitsgrad hart arbeiten. Wahrscheinlich kann man einige Dinge wirklich überdenken. Vielleicht ist auch die Wörterseehalle, obwohl sie supertolle Möglichkeiten hat, - alleine der Backstage Bereich ist sensationell - kein "Home Of Rock". Bei aller Heimatverbundenheit ist natürlich auch der Exklusivgedanke - nur aus Österreich - bei der breiteren Masse nicht unbedingt ein Zugpferd.





Wäre es sinnvoll, den Veranstaltungsort beim nächsten Mal z.B. nach Wien zu verlegen?


Lem:
Ob es sinnvoll wäre, im nächsten Jahr einen anderen Veranstaltungsort zu wählen, kann ich, ehrlich gesagt, nicht beurteilen. Wahrscheinlich würden in Wien mehr Leute kommen, aber schwierig ist's überall in Österreich. Ich ziehe jedenfalls vor jedem den Hut, der so was aufzieht. Gehört schon eine ordentliche Portion Enthusiasmus dazu.


Joe:
Ich glaub nicht, dass Wien der richtige Ort ist. Denke, der Ali hat sich schon die richtigen Plätze ausgesucht. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn einer der zuerst angedachten Orte funktioniert hätte. Wirklich schwer zu sagen. Denke auf alle Fälle, dass das wichtigste die Liebe und Hingabe des Teams vorort ist. Und das hat mehr als gepasst!!!






Wer war euer persönlicher Favorit auf dem ARF?

Lem:
Ich persönlich war ja nur an einem Tag vor Ort, da ich aus beruflichen Gründen am Samstag leider schon wieder zurück ins heilige Land Tirol musste. Aber ich möchte sowieso keinen hervorheben. Alle haben richtig Gas gegeben und gezeigt, dass es immer noch eine Menge großartiger Rockbands in Österreich gibt. Wäre toll, wenn das einer breiteren Öffentlichkeit auch wieder ins Bewusstsein gelangen würde. Dann würde es nämlich noch mehr Spaß machen. Den Bands und den Leuten.


Joe:
Kann und will ich nicht beantworten. Ich war ja auch nur am Samstag da und habe z.B. Thytopia versäumt, von denen man auch in Salzburg nur das Beste erzählt. Musikalisch ist vieles Geschmackssache. Persönlich kann ich ganz eindeutig sagen, dass ich mit den Boyz - und Girls ummedumm - von MADOG meine Favoriten gefunden habe - auch ihre Show war tief beeindruckend.




Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass es wirklich ein perfekt organisiertes Fest war,
bei dem die wenigen Anwesenden gezeigt haben, dass der Austrorock auch in vermeintlich
schweren Zeiten nicht unterzukriegen ist. Ein besonderer Dank gilt dabei Veranstalter
Ali Pernul und Hannes "Fusel" Bartsch für die Wahnsinnsunterstützung!




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