Interview mit Hannes "Fusel" Bartsch (Februar 2011)


(c) Blind Petition

BLIND PETITION gehören nicht nur zu den bekanntesten und beliebtesten Bands
unseres Landes, sondern zählen auch zu den dienstältesten Rockbands in Österreich.
Für Austrorock.at ließ Leadgitarrist Hannes "Fusel" Bartsch die komplette
Bandgeschichte Revue passieren. Teil 1 beginnt mit den Gründerjahren 1974 und
endet bei der "Alle Achtung, Amigo" Tour im Jahre 1988.



Blind Petition wurde im Jahre 1974 gegründet. Aus welchen Mitgliedern
bestand eigentlich die Startformation der Band?



Ganz am Anfang bestand die Band aus Georg Martikan, Robert Suk, Michael Schor
und mir. Der Andy Bernas ist nach den ersten Konzerten dazu gestoßen und
hat den Miki am Bass ersetzt.





Bereits 1977 hattet ihr eine vollständige LP im Kasten, die aus Geldmangel leider nie veröffentlicht wurde. Erst drei Jahre später kam eure erste Single "Blind Petition" in Eigenregie heraus. War der Song ein Nachlass aus der unveröffentlichten LP?


Ja. Auch die B-Seite "The Dealer" war eine gekürzte Version der LP,
wurde aber in voller Länge auf der "Tschingo Bingo" veröffentlicht.






© Blind Petition | www.myspace.com/blindpetition



Weitere drei Jahre dauerte es, bis ihr 1983 die zweite Single "Highway Devils" am Start hattet. Warum dauerte die Veröffentlichung des zweiten Release so lange und waren die Tracks ebenfalls aus dem unveröffentlichten Album?


Nein, es waren neue Songs, aber wir hatten kein Geld zum Veröffentlichen.
Außerdem wollte uns niemand produzieren.





Eure dritte Single "Feeling High" folgte ein Jahr darauf.
Irgendwie gab es aber Probleme mit dem Produzenten...



Die Produzenten, mit denen wir zu dieser Zeit zu tun hatten - sowohl der vom unveröffentlichten Album, als auch der der 3. Single - waren Wichtigtuer, welche uns nur Geld gekostet haben. Der Erste, der uns wirklich unterstützt und uns weitergeholfen hat, war Muff Sopper, der auch heute noch mein Geschäftspartner und Freund ist.





© Blind Petition | www.myspace.com/blindpetition



Wie hoch waren die Auflagen der ersten drei Singles?


Von der ersten Single wurden 1000 Stück gepresst, von den beiden
anderen je 2000 Stück.





Du bist der Initiator des unvergesslichen "Ready to Fire"-Samplers, bei dem ihr auch mit drei Tracks vertreten seit. Wie siehst du im Nachhinein die Bedeutung dieses 1. österreichischen Metalsamplers?


Das war schon ein Kick für die Rockszene. Plötzlich haben sich Zeitungen und Ö3 für uns interessiert. Wir haben auch einige Auftritte zusammen absolviert, wo viele erstmals die jungen Bands gesehen haben.





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Kurz nach eurem 10-jährigen Bestehen kam mit Eugen Mauritius Berger
ein neuer Frontmann in die Band und löste dich am Mikro ab...



Ja, denn ich war mit meinem Gesang immer unzufrieden. Das war aber
noch vor der Zeit von Metallica. Seit damals hat ja Gesang eine neue
Bedeutung bekommen.





In der Szene Wien wurde kurz darauf das legendäre "Tschingo Bingo" Album
aufgenommen. Obwohl die Atmosphäre des Gigs perfekt eingefangen wurde,
war es eigentlich ein ungewöhnlicher Schritt, die Debüt-LP mit einem
Live-Mitschnitt zu beginnen...



Naja, es war damals eben eine reine Frage der Finanzierung.





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Ein Jahr später kam mit dem ehemaligen ATLAS/MORDBUBEN AG-Shouter Phil
Reinhardt ein neuer Sänger in die Band. Wie kam es zu dem spontanen Wechsel?



Bei den Aufnahmen von "Welcome To Win" bekam Eugen massive Stimmprobleme.
Das Studio war aber schon gebucht und musste bezahlt werden. Und Phil war ein
Freund der Band...




...mit dem ihr den Langzeitklassiker eingespielt habt. Wie kam die LP eigentlich auf dem internationalen Markt an und wie viel habt ihr davon absetzen können?


Ich habe mich eigentlich nie um Verkaufszahlen interessiert. Aber es waren
jedenfalls genug, sodass die Firma Geld für das nächste Album locker machte.






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Wie nur mehr wenige wissen werden, kam die LP auch in einem streng
limitierten Metalcover heraus...



Ja, das Album im Metalcover ist in einer durchnummerierten Auflage von 200 Stück erschienen und ist seit langer Zeit vergriffen. Erst kürzlich habe ich auf eBay bei
einem der seltenen Metalcover mitgeboten, aber den Zuschlag nicht erhalten.





Mit dem Track "Running Wild" habt ihr eine hitverdächtige Single aus der LP ausgekoppelt. Und auch ein Video zu "Hangman" wurde im ORF gespielt. Bei der heutigen Rockabstinenz des Senders fast unvorstellbar...


Es war damals um nichts leichter als heute, vor allem fehlten privates Radio und Fernsehen. Für uns wurde es aber immer besser. Etwas im TV, ein wenig im Radio, die Konzerte waren gut besucht und die Fans wurden laufend mehr.





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Auf der darauf folgenden Tour "Alle Achtung, Amigo" war erneut Eugen M. Berger
am Start. Warum verließ Phil die Band nach so kurzer Zeit wieder und wie kam
es zur Rückkehr von Eugen?



Phil hat es immer zum Jazz hingezogen, das wollte er wieder machen.
Und Eugen hatte seine Stimme zurück. Und wir den Eugen...





Mit dem Album "Bottle Leck" kam 1988 eine rare Live-Scheibe auf den Markt, die eurer Fanclub in München aufgelegt hat. Wie kam es zu diesem Release, auf dem ja auch die zwei bis dato unveröffentlichten Songs "Cat Games" und "Alien" standen?


Das war keine offizielle Liveplatte, sondern ein Bootleg,
welches selbst für mich nicht so einfach zu ergattern war.






Innersleeve von Bottle Leck



Nach der BRD-Tour und dem letzten Konzert in der Szene Wien verließen Eugen Berger sowie die Gründungsmitglieder Georg Martikan und Robert Suk die Band. Wie kam es zu dem Split und warst du darauf gefasst?


Ich war nicht nur darauf gefasst, ich habe die Umbesetzung initiiert. Der Georg wollte nicht noch mehr spielen, er hat danach auch nie wieder auf einer Bühne gestanden. Er hat geheiratet und sein Hobby, das Segeln, intensiviert. Robert musste aus schweren gesundheitlichen Problemen eine Auszeit nehmen. Er kam später wieder zu Blind Petition zurück und hat bis zu seinem viel zu frühen Tod die Band nie mehr verlassen. Ich vermisse ihn noch heute. Ja und Eugen ist auf unserem Weg zur Internationalität einfach durch den Rost gefallen...



Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews:
Von "Perversum Maximum" bis zur "Bloody Reunion"




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