Interview mit Hannes "Fusel" Bartsch (Februar 2011)


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Interview Teil 2:
Von "Perversum Maximum" bis zur "Bloody Reunion"
(1988 - 2011)



Nachdem das alte Line-Up aufgelöst wurde, kamen mit Gary Wheeler und Curt Ninaus zwei neue Mitstreiter von Blowin Free zur Band. In der neuen Besetzung wurde das Album "Perversum Maximum" eingespielt und mit "Hero Hero" eine hitverdächtige Single veröffentlicht...


Nicht zu vergessen, auch Robert Suk wurde aus gesundheitlichen Gründen durch Alex Ander ersetzt. Eigentlich war es eine völlig neue Band, mit der wir dann die "Perversum Maximum" eingespielt haben. Mit Helmut Bibel als Produzenten, der später auch bei einigen Gigs live mitspielte.




Andreas Bernas wurde kurz nach eurer "Rock Gegen Gewalt"-Tour 1989
durch Jo Hass ersetzt. Was war der Grund dafür?



Für den Andy wurden die Tourneen und die Fülle an Verpflichtungen zuviel. Wir waren zu der Zeit entweder auf Tour, im Studio, bei irgendeinem Radiosender oder anderen Promotionveranstaltungen. Der Jo kam wie gerufen und war sofort voll integriert - ein Gewinn für uns. Wir sind heute noch befreundet.





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Am Neujahrstag '90 wurde im Rockhouse ein weiteres Live-Album namens "1990 Live" mitgeschnitten, das bereits einige neue Nummern vom kommenden Album enthielt...


Ja, denn nach zwei Studioalben und drei Jahre Tour war es wieder einmal Zeit,
die Live-Stimmung einzufangen.





Im Zuge der Perestrojka seid ihr im selben Jahr als erste Rockband in der ehemaligen Sowjetunion bei dem "Love And Peace" Festival vor über 60.000 Menschen auf der Bühne gestanden. Wie war das Gefühl, erstmals vor einer so großen Menge zu performen?


Die Russlandtour war schon etwas Besonderes. Donezk war schon Wochen vor dem Festival ausverkauft. Am nächsten Tag fand ein Wiederholungskonzert statt, wieder vor vollem Stadion mit 60.000 Leuten. Es war eine super Stimmung. Danach war Moskau zwei Tage mit je 6.000 Besuchern ausverkauft und anschließend Ungarn, wo wir vor 7000 Leuten unsere erste Show in Budapest spielten. Es folgten ganzseitige Zeitungsberichte und eine Live-Übertragung des ersten Donezk-Konzertes nach Finnland und in die USA. Tolle Zeit...




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Kurze Zeit danach drehte sich das Besetzungskarussell erneut.
Manfred Schuster, Benny Reed und Mario Brodtrager kamen in die Band...



Da ging es Schlag auf Schlag. Jo Haas und der Curt Ninaus wollten den Gary
vor die Tür setzen. Da habe ich beide entlassen und bin zum Gary gestanden.





Unter der Leitung von Victory-Gitarrist Tommy Newton wurde dann die Single "Maybe This Time" und das dazugehörige Album "The Elements Of Rock" eingespielt. Seid ihr mit dem Endprodukt zufrieden gewesen?


Ja, das Album hat unsere Erwartungen voll und ganz erfüllt. Der Tommy Newton ist auch ein super Produzent. Am Schlagzeug hat übrigens der ex-Victory, ex-Saxon und jetzige Jane-Schlagzeuger Fritz Randow gespielt. Das Album hat sich damals auch ganz gut verkauft.





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Auf euren Tourneen habt ihr mit bekannten Bands wie Black Sabbath, Motörhead, Saxon, Blue Oyster Cult, Blackfoot, Krokus, Kingdom Come u.a. gespielt. Gibt es aus der damaligen Zeit irgendwelche Tourerlebnisse, an die du dich gerne zurück erinnerst?


Die Liste kann man beliebig verlängern. Molly Hatchet, Brian May, Michael Schenker Group, U.F.O., Victory, Iron Maiden, Joe Satriani oder Alvin Lee. Aber Tourgeschichten erzählt man nicht... die erlebt man.




Nach der "Metal for Greenpeace"-Tour trennte sich Gary Wheeler von der Band...


Zu dem Zeitpunkt hatte es einfach nicht mehr gestimmt. Gary wollte musikalisch in eine andere Richtung, die er dann auch mit Stahlhammer verwirklicht hat. Der Größenwahn ist damals bei einigen ganz schön durchgebrochen. Sorry...





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Mit "Blind Petition Light" folgte 1993 ein Unplugged-Album, auf dem Stiletto den Gesang übernahm und das mit Christian Kolonovits prominente Unterstützung erhielt. Wer kam auf diese eher ungewöhnliche Idee und wie kam es zu dem Zusammentreffen?


Der Christian Kolonovits ist ein langjähriger Bekannter von mir und als ich ihm die Idee unterbreitet habe, wollte er sofort mit dabei sein. Wir haben dann auch noch Bläser dazu genommen, unsere Songs umarrangiert und einige Covers dazu gefügt. War eigentlich nur als einmalige Geschichte gedacht, aber schon am Tage des Konzerts mussten wir eine Zusatzshow aufgrund des Massenbesuches anhängen. Zur Sicherheit wurde auch ein Mitschnitt, wie bei vielen anderen Konzerten auch, gemacht. Wir haben eine limitierte Auflage - ich glaube 3000 Stück - auf den Markt gebracht, welche bei der anschließenden Unplugged-Klubtour schnell vergriffen waren.



Ein Jahr später kam mit "Gold" noch eine "Best Of"-CD mit einigen unveröffentlichten Songs auf den Markt, danach gönnte sich die Band aber eine Auszeit von fünf Jahren. Wieso dauerte es solange, bis ihr weiter gemacht habt?


Da war - durch die dauernden Besetzungswechsel und die unverschämten Forderungen der Mitmusiker - die Luft erstmals draußen. Ich hatte die Nase gestrichen voll. In der Zeit habe ich mit dem Robert Suk und meinem Bruder Bertl begonnen, wieder zu den Wurzeln zu finden. Verstärkt durch unsere Freunde Luigi Kainrad und Doc Holiday haben wir ein paar Konzerte gespielt. Übrigens mit Eugen Berger am Gesang und meinem Bruder am Bass...





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Nach der erwähnten Pause habt ihr 1999 mit "Forever Alive" ein weiteres Live-Album veröffentlicht, auf dem gleich elf neue Songs zu hören waren...


Als sich genug Material zusammengesammelt hatte, haben wir den Jo Haas angerufen, mit dem Martin Sobotnik einen dritten Gitarristen hinzugeholt und in Alex Lipscher einen neuen Sänger gefunden. Bertl ist dann an die Gitarre gewechselt, was ja immer sein Instrument war. Das wir eine Live-CD machen, war von Anfang an klar. Denn live sind und waren wir am Stärksten.




Weitere fünf Jahre hat es gedauert, bis ihr mit dem Album "No Prisoner" ein fulminantes Lebenszeichen von euch gegeben habt. Das erste Studioalbum seit zehn Jahren.
Wie siehst du das Werk im Nachhinein?



Nach dem Tot vom Robert war es für mich unmöglich, gleich weiterzumachen. Und so hat es einige Zeit gedauert, bis ich wieder in ein Studio gegangen bin. "No Prisoner" ist für mich das stärkste Album, das Blind Petition je aufgenommen hat. Nur die Zeiten haben sich geändert. Internet, gratis runterladen usw. Jedenfalls sind die Verkäufe stark zurückgegangen. Die Finanzierung wurde - wie in den Anfangszeiten - zum Problem. Wenigstens haben wir in dieser Besetzung gut zwei Jahre recht erfolgreich gespielt.





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Im Jahre 2006 erfolgte dann die unerwartete Reunion mit Gary Wheeler am Mikro.
Wie kam sie zustande?



Mario - ein voll zu uns passender Rabauke, der schon zur Zeit von "Elements Of Rock" einige Konzerte mit uns unterwegs war - ist nach Gastspielen bei verschiedenen Gruppen aus Deutschland nach Wien zurückgekehrt. Gary war auch zurück und mit Reinhard Kochauf fand sich ein neuer Bassist. So konnte es wieder losgehen.




Mit "Bloody Reunion" hattet ihr auch ein Hammer-Album am Start, welches
durchwegs positive Resonanzen erzielte...



Ich habe auf diesem Album, welches nach vielen Jahren auch wieder als Vinyl veröffentlicht wurde, erstmals fast alle Soloparts selbst übernommen. Gary ist für mich der beste Produzent, mit dem ich je gearbeitet habe. Wir hatten eine gute Stimmung, eine gute Zusammenarbeit und es war alles easy. Peter Herman hat einige Sachen wie Bariton Gitarre, Mandoline, Dobro und Slide beigesteuert. Ein schönes amtliches Stück Rockmusik.




© Blind Petition/G.Altenberger
Bloody Reunion CD 2007



Auch in den Vereinigten Staaten schien es recht gut für euch zu laufen.
Ich habe auf MySpace gesehen, dass ihr im "Southern Thunder Radio" mit
"Freak" einige Wochen sogar in den "Independent Top 10 List" vertreten ward...



Es sind im letzten Jahr immer wieder Songs in den Charts und den diversen Playlists aufgetaucht. Vor allem in den Südstaaten. "Freak" war in Florida vier Wochen auf Platz 1, vor Kollegen wie Garth Brooks, den Eagles, Lynyrd Skynyrd, Molly Hatchet, 38 Special und vielen anderen prominenten Bands. Einladungen zu Festivals in Amerika habe ich aber abgelehnt, da es nicht möglich war, eine zusammenhängende Tour von hier aus zu organisieren.




Warum habt ihr die Band vor eingen Monaten aufgelöst?


Der Ehrgeiz - das unbedingte Wollen - war weg. Martin und Muff, welcher nach dem Reinhard den Bass übernahm, hatten beruflich schwerwiegende Terminprobleme und wollten nicht mehr.





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Ihr wolltet euer Abschiedskonzert eigentlich als Vorgruppe von W.A.S.P. geben...


Unser Abschiedskonzert im Gasometer musste ich absagen, da Gary nicht anreisen konnte. Es schneite und er hat keine Winterreifen. Das war's dann für mich.




Nachdem die Gruppe bereits mehrere Wiedervereinigungen gefeiert hat, habe ich hierzu meine letzte Frage. Kannst du dir vorstellen, in Zukunft mit Blind Petition nochmals aktiv zu werden?


Ja, wenn mich sonst niemand mitspielen lässt...
Ehemalige Mitstreiter gäbe es ja genug, wahrscheinlich sogar für drei gute Rockbands.
Spaß, ich habe bereits eine neue Wahnsinnsband zusammengestellt und weiters bin ich bei meinem Uraltbekannten Alois Martin Binder bei Gallows Pole als Gitarrist eingestiegen. Die Bombe tickt also an mehreren Fronten...





Das hört sich sehr gut an. Hast du noch abschließende Worte an die Leser?


Danke an alle, die uns unterstützt, unsere Platten und CDs gekauft und
unsere Konzerte besucht haben - ich liebe Euch alle!!




Danke für das Interview und alles Gute
für die Zukunft!



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