Interview mit Johnny Schwarzinger (Juni 2009)




Eine der dienstältesten Austrorockbands kommt aus der Steiermark und hört auf
den Namen CATWALK. Konzerte in Schweden, Ungarn, der Tschechoslowakei
oder beim Donauinselfest unterstreichen den einstigen Bekanntheitsgrad der
Band. Frontmann Johnny Schwarzinger durchforstete für Austrorock.at
die Vergangenheit ...


(c) Johnny Schwarzinger
© Johnny Schwarzinger | Catwalk



Bevor CATWALK gegründet würde, warst du bereits seit 1982 in der Band SQUARE tätig und
hast zwei Singles veröffentlicht. Kannst du mir näheres darüber erzählen?


SQUARE ist wirklich schon sehr lange her. Es war allerdings auch nicht meine erste Band. Immerhin habe ich schon 1975 meinen ersten Gig gespielt. Besser gesagt haben wir damals in ganz kurzer Zeit erfolgreich einen Saal leergespielt... Der große Unterschied zu vielem, was nach Square kam, ist der, dass ich dort nur Bassist und nicht Sänger war. Ich habe auch keine Songs bei Square geschrieben.



Single 1983


Meines Wissens seid ihr mit SQUARE auch bei "Die Große Chance" im ORF aufgetreten.
Neben Peter Rapp und Lizzy Engstler......


Das ist richtig. "Die Große Chance" war so etwas wie das "Starmania" der Achtziger-Jahre. Der wesentliche Unterschied für mich ist, dass die eigentliche Sendung kein Wettbewerb war. Die Auswahl, wer in die Sendung kam, wurde ausschließlich von einer Fachjury getroffen. Diese hatte diese Bezeichnung auch wirklich verdient, weil sie wussten, wovon sie sprachen und nicht nur irgendwelche "Promis" waren. Die Bandbreite war enorm groß - ich erinnere mich noch gut, dass wir dort zwischen Chanson, Oper und Liedermachern aufgetreten sind. Es war toll, dass dort niemand in Konkurrenz zueinander stand.



Warum habt ihr euch von SQUARE getrennt und 1987 CATWALK gegründet?

SQUARE hatte sich ganz einfach totgelaufen. Auch privat waren wir
nicht mehr unbedingt so ausgeglichen untereinander.



Ein Jahr später kam eure Debüt-Single "So Cold The Night" heraus.
Wie waren die Resonanzen darauf?


Die Single ist auf einigen Radiostationen gelaufen, darunter z.B. auf "Rock over London", worauf wir besonders stolz waren. Der eigentliche Clou daran aber war, dass es davon nur 200 Stück gab. Aufgenommen haben wir sie auf einer 8-Spur Fostex!



catwalk  catwalk
© Johnny Schwarzinger | Catwalk



Das erste Album gleichen Namens erschien dann 1989 auf dem Label "Die Mühle"...

"Die Mühle" war ein Label welches sich eher zufällig ergab. Rippoff Raskolnikow hatte dort unmittelbar vorher ein Album produziert. Der Sound hat uns sehr gut gefallen. So sind wir dann ebenfalls dort gelandet und waren auch mit dem ganzen Drumherum recht zufrieden. Als Tontechniker hatten wir Paul Hochrainer, der später bei "Josh und die Emotionen" Gitarre gespielt hat.



Speziell der Song "Hello Friends" ist ja in Schweden bis auf Platz 5 der Charts geklettert...

"Hello Friends" ist in Schweden wirklich besonders gut angekommen. Es war sicher der einfachste und eingängigste Song auf dem Album. Eine Singleauskoppelung gab es allerdings nie. Wer "Hello Friends" wollte, musste sich schon das Album aus Vinyl kaufen.



Im selben Jahr war auch der Beginn des legendären "Eggersdorfer Rockfestivals",
das ja ebenfalls von euch veranstaltet wurde. Wie kam es dazu?


Nachdem wir in Eggersdorf ein Bandhaus hatten, wollten wir einfach einmal in unserer Wahlgemeinde live spielen. Geplant war ein kleines Open-Air im Bad. Es kamen immer mehr Ideen dazu und es wurde einfach immer mehr daraus. Die ersten 2 Jahre fand das Festival auch auf dem Sportplatz neben dem Eggersdorfer Bad statt, erst danach kam die Übersiedlung zum Wimmerlift.



   
Catwalk 1989 | Hard And Roll 1991 | To The Backbone 1993



Ich kann mich noch erinnern, wie ihr dort die Bühne bestiegen und mit der
DEEP PURPLE SESSION BAND für Furore gesorgt habt. Gibt es diese Tribute-Band eigentlich noch?


Heute sage ich: Leider gibt es sie nicht mehr. Aber in der letzten Phase unserer Purple-Aktivitäten schossen plötzlich die Double-/Cover-/Tribute- usw. Groups aus dem Boden wie die Schwammerl. Wir hatten einfach die Nase voll von dieser Schiene. Dabei muss ich schon, ohne überheblich sein zu wollen, sagen, dass speziell das letzte Line-Up wirklich sensationell war. Ich habe noch alte Livemitschnitte zu Hause, wo richtig die Post abgeht.



Aber bleiben wir bei CATWALK. Mit der Nachfolgesingle "Dangerous" seid ihr in Schweden
auf Tour gegangen. Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Konzertreihe?


Dieser Kontakt entstand bei einem Silvestergig in Graz, wo auch eine schwedischer Bikerrunde im Publikum war. Die Jungs waren so beeindruckt, dass sie gleich 10 LPs in den hohen Norden mitgenommen haben und sie dort an einige Freunde verteilt haben. Auch ein Mitarbeiter einer Rundfunkstation war unter ihnen und so kam die Sache ins Rollen.



Euer zweites Album "Hard & Roll" kam 1991 heraus und war etwas kommerzieller
als der Vorgänger. Wie siehst du das Album aus heutiger Sicht?


Es war, wie der Name schon sagt, die Mischung aus Hardrock und Rock'n'Roll, die wir auf diesem Album versucht haben. Dass "Hard and Roll" kommerziell klingt, liegt sehr stark daran, dass ich mir damals, speziell was den Sound angeht, viel zu viel dreinreden habe lassen. Es gibt auch heute immer noch Leute die glauben, wenn du einfach die Gitarre leiser machst, wird ein Song radiotauglich. Was für ein Schwachsinn! Besonders meine Stimme erinnerte auf dieser Produktion mehr an Schlager als an gestandene Rockmusik. Ich höre mir dieses Album auch selbst nicht mehr an und spiele es auch niemandem freiwillig vor.



 
© Catwalk



Euer drittes Werk hieß "To The Backbone" und erhielt mit "Wind In My Hair" sogar Airplay in Ö3.
Trotzdem habt ihr CATWALK etwas später aufgelöst. Was war der Grund dafür?


"To The Backbone" war sicher unser reifstes Album. Bux Brunner von ATS Records hat gute Arbeit am Mischpult geleistet. Wir hatten aber auch mit diesem Album ein wenig das Problem, zwischen den Stühlen zu sitzen. Für die breite Masse war es zu rockig, für die Rockfans war es zu brav.



Im Jahre 1999 fand mit neuer Besetzung eine Reunion von CATWALK statt. Zwischen 2000 und 2003 habt ihr auch drei weitere Alben aufgenommen, die eher in die ruhigere Richtung tendierten. Wie kam es zu diesem Stilwechsel?

Ich würde es einfach als Entwicklung sehen. Ich war schon immer sehr offen für alle möglichen Dinge. Wenn du verschiedene Dinge machst, kannst du dabei nur lernen. Wirklich aufgelöst wurde CATWALK ja nie. Ich habe mit einigen Besetzungen bis 2004 noch immer gespielt und auch noch einige Tonträger, zumindest in kleinen Auflagen, produziert. Wer weiß, was mir in Zukunft noch so alles einfällt.....



Könntest du dir eine Reunion von CATWALK im originalen Line-Up vorstelllen?

Nein. Wir leben mittlerweile in so verschiedenen Welten, dass ich nicht glaube, dass dies noch funktionieren könnte. Dazu kommt auch, dass gar nicht mehr alle ehemaligen Mitglieder überhaupt noch spielen. Ich für meine Person wäre auch nicht mehr bereit, so viele Kompromisse einzugehen, wie ich dies früher getan habe.



 
© Catwalk



Bist du noch im Musikbusinss tätig?

Ja, ich habe noch das Projekt ACUSTICA, welches ausschließlich akustisch spielt, am Laufen. Damit haben wir 2008 ein Livealbum produziert - ein Mitschnitt eines einzigen Konzertes, also echt authentisch. ACUSTICA-Konzerte gibt es auch wieder ab Herbst.
Weiters arbeite ich auch gerade an einem neuen Album mit dem Projekt "Da Hans und seine Saitenreissser", welches im Herbst erscheinen soll. Diese Formation hat 1995/96 bereits zwei CDs veröffentlicht und hat ein sehr gutes Feedback bekommen.
Stilistisch ist das eher eine Art "Mundart-Rock'n'Roll".
Und nebenbei produziere und schreibe ich auch Songs für Danny D. (alias Daniel Herzog / letzte Starmania-Staffel); ein 20jähriges Multitalent, das seine Wurzeln tief in der Musik der 1970er und 80er hat. Eine Single soll noch im Sommer kommen, das Album erscheint dann im Herbst bzw. Winter.



Abschließende Worte?

Ich finde es toll, dass es Leute gibt, die sich nach wie vor um die österreichische Szene bemühen. Solche Seiten wie deine oder z.B. der Internet Sender "Radio7", welcher ausschließlich einheimische Rock und Pop-Musik spielt, sind ein Lichtblick. Es kann eigentlich nur mehr besser werden, oder?


Stimmt! Und danke für das Interview!





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