Interview mit Alois M. Binder (Januar 2012)



Alois M. Binder
© Gallows Pole


Nicht nur musikalisch, sondern auch textlich hat das neue Album
"Waiting For The Mothership" von GALLOWS POLE eine Menge zu bieten.
Geht es doch um die Ansiedelung der ersten Menschen auf unserem Planeten.
Ich unterhielt mich mit Alois M. Binder, der das gesamte Konzept verfasste.



Euer neuestes Werk ist nun schon über drei Monate auf dem Markt.
Wie kommt das Album bei den Fans und der Presse an?



Man spricht von einem Jahrhundertwerk. Weltweit. Das ist eine neue Qualität. Das beste Album seit Pink Floyds "The Wall". Dieses Album ist schlichtweg eine Sensation. Das sind die Kritikerstimmen. Viel mehr gibt es da wohl nicht zu sagen.
Wann gab es das letzte Mal ein Werk, wo jeder Song ein Meisterwerk war? Da muss man schon sehr weit zurück gehen. Und ich habe vor, auch das noch zu übertreffen. Beim übernächsten Album, die Idee reift bereits. Natürlich wird es verdammt schwer werden, aber das dachte ich mir bei "In Rock We Trust" auch. Und wir haben es übertroffen...





Hinter dem Textkonzept steht die Thematik eines extraterrestrischen Wesens,
das auf sein Mutterschiff wartet. Wie kamst du auf diese Geschichte?



Die Idee war einfach da, da habe ich nichts konstruieren müssen. Von einem Moment auf den anderen, vollkommen klar und ausgearbeitet - genauso wie die Musik. Keine Proben, keine Tüfteleien, es war einfach da. Ich habe das auch in einem Interview mit einer deutschen Zeitung nicht richtig in Worte fassen können. Es war, als ob jemand meinen Geist und meine Hände geführt hätte. Sehr merkwürdig, aber ich kann es nicht anders sagen. Man überlegt sich dann natürlich noch, was man besser machen könnte, aber wir haben uns angesehen und es war klar: Kein einziger Ton wird geändert. Ein Werk dieser Klasse kann man nicht verbessern. Ich bin im Studio gesessen und habe - abgesehen vom technischen Standpunkt - nichts verändern müssen. Ich nahm meine Gitarre in die Hand und was dann aus den Boxen rauskam, hat uns komplett überwältigt. Mit den Texten war es genauso leicht. Kein Krampf, kein Murks, kein "machen wir, dass es irgendwie passt". Ich meine, höre dir mal an, was heutzutage für Lyrics geschrieben werden. Sind die nicht ganz dicht?
Von der Musik mal ganz abgesehen. Das Zeug von vielen kannst du wirklich nur in die Klomuschel werfen.






© Gallows Pole



Beim Opener "Old Man Cry" wird ein weiser alter Mann beschrieben, dem nicht
zugehört wird. Wie du mir berichtet hast, ist es ein Text mit autobiografischen Zügen.
Daher meine Frage: Was hätte der weise Mann zu berichten?



Schauen wir uns die Lage der Welt einmal an: Wir haben Religionsgemeinschaften, die noch nicht mal im Mittelalter angekommen sind. Eliten mit einem IQ, der selbst bei Halbaffen als minderhirnig eingestuft wird. Finanzgenies, deren einziger Lebenssinn darin besteht, aus 10 Milliarden 11 zu machen. Wir reden von Leuten, die noch vor kurzem in einer Holzbaracke in Sibirien gehaust haben. Wahrscheinlich sind die mit illegalen Gallows Pole-Downloads reich geworden. Royals, die seit Jahrhunderten nichts anderes machen als das gemeine Volk auszunehmen. Und was macht das Volk? Die stehen mit Fähnchen am Straßenrand und winken denen zu! Was soll das? Was ich damit sagen will, ist folgendes: die Tatsache, dass diejenigen das machen können, bedeutet, dass das Fußvolk noch dümmer ist. Und was den moralischen Aspekt betrifft: die Armen haben da gar keinen Anspruch drauf. Die Gier ist bei denen genauso ausgeprägt wie bei den Typen, die es "geschafft" haben. Das ist auch nicht deren Schuld, es hat sich einfach so entwickelt.
D.h. der Mensch ist nicht lernfähig. Ich meine jetzt die moralische Komponente, das weiß man aus der Geschichte. Und die wird sich immer wieder wiederholen. Die Natur hat einen Fehler gemacht und das war es: ein Irrläufer der Evolution.





In den beiden Songs "Return To Paradise" und "Waiting For The Mothership" handeln die Texte von Außerirdischen, die bereits vor einer Million Jahren auf unserem Planeten verweilten und dessen Auftrag es war, das Leben auf der Erde zu verbreiten. Dabei passierte ihnen ein Fehler und sie mussten den erwähnten Irrlauf der Evolution mitverfolgen.
Was haben sie aus der Sicht des Protagonisten falsch gemacht?



Die haben gar nichts falsch gemacht. Der Auftrag war, das Leben zu verbreiten und das haben sie getan. Der wirklich fatale Fehler war, nicht die Entwicklung dieser Spezies zu verhindern. Das hätte gleich am Anfang im Keim erstickt werden müssen. Als man gesehen hat, wie der erste Steinzeitmensch einen anderen mit einer Keule erschlug, um an dessen Feuer zu kommen, wäre die Zeit reif gewesen, diese Spezies zu vernichten. Denn es war absehbar, dass die Menschheit nur einen wahren Trieb hat: die Gier. Aber das werden sie nicht tun, nicht so lange die Spezies auf den Planeten beschränkt bleibt. Dass die sich selbst wegräumen, juckt im Universum wohl niemanden. Sollte sich die Menschheit in den Weltraum vorwagen - und wir reden hier nicht vom Mond, was soll der scheiß -, werden die sich melden. Also, wenn ihr in der Lage seid, innerhalb eines Monats die Andromeda-Galaxis zu erreichen, sagt Bescheid. Alles andere ist Kinderkram.





Waiting For The Mothership | © Markus Vesper



Einige Altertumsforscher wie der kürzlich verstorbene Buchautor Zecharia Sitchin behaupten ja, unser Leben sei vor Lebzeiten aus dem Weltall gekommen und hat sich auf der Erde verbreitet. Eine These, die den Inhalt deines Konzepts unterstreicht...


Nun, das ist ja keine These sondern eine Tatsache. Das glaubt mittlerweile sogar die Wissenschaft und das heißt was. Diese Leute plappern im Allgemeinen ohnehin bloß nach, was ihnen von anderen Wissenschaftlern auf den Universitäten eingebläut wurde. Aber ein paar von denen haben sich die Gabe erhalten, selbständig zu denken. Und die machen sich dann halt Gedanken.




Und wie sehen die deiner Meinung nach aus?


Unbeschreiblich vielfältiges Leben in den Weiten des Universums und natärlich auch auf Asteroiden, Kometen usw. Diese haben die Erde erreicht und so passierte das Ganze.
Denn: der einzige Sinn des Universums ist das Leben und die Verbreitung eben dieses.





Bei "The Big Mistake" geht es auch um die Frage, ob wir alleine im Universum sind. Eigentlich fast ein Frevel, wenn man bedenkt, dass wir Milliarden Universen haben und unseres nicht einmal richtig kennen...


Kennen? Wir kennen gar nichts. Morgens aufstehen und in die Arbeit gehen, damit wir uns Zeug kaufen können, das kein Mensch braucht. Das ist der ultimative Schwachsinn. Selbstverständlich sind wir nicht allein. Kometen, Kollisionen von ganzen Galaxien, kosmische Katastrophen und die absichtliche und geplante Verbreitung des Lebens. All diese Ereignisse spielen sich im Moment im Universum ab. Es ist ja auch noch gar nicht so lange her, dass man geglaubt hat, die Erde sei eine Scheibe. Beweise sind bei diesen Ausmaßen gar nicht nötig. Allein die Größe, die alle Vorstellungskraft des Bürgers übersteigt, ist Beweis genug.





v.l.n.r.: Alois M. Binder, Hannes Fusel Bartsch, Michael Haderer, Elsko, Günther Steiner | © Gallows Pole



Am 21. Dezember 2012 endet offiziell der Maya-Kalender. Viele Leute gehen davon aus, dass an diesem Tag die Welt untergeht, manche sind der Ansicht, dass der Kalender ja irgendwann aufhören muss und einige freuen sich bereits auf die Aftershowparty am darauffolgenden Tag. Zu welcher Kategorie zählst du dich?


Naja, um die Welt in einem Tag untergehen zu lassen, benötigt es einen Asteroiden-einschlag apokalyptischen Ausmaßes. D.h. das Ding müsste noch beim Aufprall einen Durchmesser von 5 Kilometern haben. Selbst wenn die Maya gewusst haben, dass an diesem Tag ein Asteroid einschlagen wird, hätten sie die Größe dieses Objektes nicht abschätzen können. Selbst ein starkes Erdbeben würde nicht ausreichen, um die Menschheit an einem Tag zu vernichten. Dann gäbe es noch die Möglichkeit eines tödlichen Virenausbruchs, aber auch das geht nicht in einem Tag. Auch ein Atomkrieg reicht nicht aus. Also an diesem Tag geht die Welt definitiv nicht unter. Ich weiß es und du kannst mich da beim Wort nehmen. Außerdem hat die Menschheit gar keine Katastrophe nötig.
Die schaffen das schon, keine Sorge.





Vor kurzem hast du erwähnt, dass sich heutzutage kaum noch jemand die Mühe macht, die Texte genauer zu lesen. Schon gar nicht zwischen den Zeilen. Lohnt es sich daher überhaupt, sich den Kopf über eine eigene Story für ein Konzeptalbum zu zerbrechen?


Nein. Trotzdem bin ich nicht der Typ, der irgendwas macht. Schon gar nicht wegen des Geldes. Was ich mache, mache ich gut oder gar nicht. Das ist auch der Grund, warum wir früher so lange Pausen zwischen den Alben hatten. Wenn ich mir das Zeug heute anhöre, muss ich sagen, dass es gar nicht so schlecht war, nur war es mir damals nicht gut genug. Wenn man Alben wie "In Rock We Trust" oder "Waiting For The Mothership" gemacht hat, weiß man, dass sich das die Leute in hundert Jahren auch noch anhören werden. Klar könnte ich jetzt ohne Problem einen Nachfolger zimmern, aber unsere Fans würden das merken und das ist gut so. Ich könnte auch einen Hit schreiben und auf einer Privatparty von einem verdammten russischen Milliardär spielen - so wie die Chili Peppers...
Ich meine, bin ich eine Hure oder was?






Alois M. Binder | © Gallows Pole



Bei Konzeptalben fallen mir spontan Platten wie "Operation Mindcrime" von
Queensryche, "The Wall" von Pink Floyd oder "The Elder" von Kiss ein.
Für welche kannst du dich privat begeistern?



Ganz klar "The Wall". "Operation Mindcrime" ist ebenfalls ein sehr gutes Album. Alle Achtung. Das war mal eines meiner Lieblingsalben. Es hat nur den Nachteil, dass es zu sehr zeitbezogen ist, nicht so zeitlos wie "The Wall" oder "Waiting For The Mothership". Und leider war es deren einzig gutes Album, der Rest ist leider zu vergessen. Echt schade drum. Was Kiss betrifft, hab ich überhaupt keinen Draht. Diese Band war für mich wie eine Druckerpresse. Die haben genauso viele gute Songs geschrieben wie Madonna,
Lady Gaga oder die Scorpions...





Normalerweise wäre es eine Unverfrorenheit, jemanden, der gerade ein Album herausgebracht hat, nach neuen Songs zu fragen. Bei dir weiß ich aber, dass du sehr kreativ bist und ständig neue Ideen niederschreibst. Daher die Frage: Gibt es schon Ansatzpunkte oder Gedanken zum nächsten Album?


Also, drei Songs sind bereits wieder im Kasten! Ich werde dir den Roughmix von "Summerrain" zukommen lassen, denn bei dir weiß ich, dass das Ding nicht im Internet landet. Wir waren im Studio und jemand kam auf die Idee, den Song zu spielen. Die Maschine lief mit und die Aufnahme wurde so gut, dass sie wahrscheinlich auf dem neuen Album sein wird. Überhaupt werde ich mich fürs neue Album mehr um unsere Anfangstage kümmern.





© Gallows Pole



Wann ist denn der nächste Release geplant?


Das Album wird im Sommer fertig sein und es wird kein Konzeptalbum werden. Sowas macht man auch nicht alle Tage. Allerdings werden wir wahrscheinlich mit der Veröffentlichung warten, denn in den USA und in Japan ist noch nicht mal "Revolution", geschweige denn "Waiting For The Mothership" angelaufen. Das wollen wir jetzt auch eine Weile wirken lassen. "Mothership" wird ohnehin eine Langzeitgeschichte werden, soviel steht jetzt schon fest.




Also wird das zukünftige Album in eine ähnliche Richtung tendieren?


Tja, was soll ich sagen. Was bis jetzt fertig ist, klingt schon wieder ganz anders. Ich kann da nichts dafür, sondern spiele, wonach mir gerade ist. Außerdem habe ich mir endlich vorgenommen, die alten Tapes aus den 70ern durchzuhören. Es sind ungefähr 200 Stunden, die so klingen wie Metallica, wenn sie gut wären. Und das Ganze auch noch 15 Jahre früher. Mal sehen was da zum Vorschein kommt.




Abschließende Worte?


Ich wünsche euch mit "Waiting For The Mothership" viel Spaß und Inspiration. Und nicht vergessen: nach 10-maligem Anhören wird es erst so richtig mystisch. Und vielleicht solltet ihr sie rückwärts spielen...



Ich danke dir für das Interview.


AUSTROROCK 2012 USED BY PERMISSION