Interview mit Sigi Hatberger (April 2012)



Ein wenig in Vergessenheit geraten ist die österreichische Rockband PRISONER.
Mitte der 80er-Jahre nahm die Gruppe mit "No Exit" ein hervorragendes Album
auf, das heute zu den absoluten Perlen des Austrorocks zählt.
Ich kontaktierte daher Sigi Hatberger, der bei PRISONER den Bass zupfte
und inzwischen bei BLACKROSES und JAM TRAX aktiv ist.



Beginnen wir mit PRISONER und dem legendären "No Exit"-Album. Wie du
mir erzählt hast, bist du erst nach der LP-Aufnahme zur Band gestoßen...



Tja, zu PRISONER kam ich durch reinen Zufall. Ich kannte die Jungs damals schon länger und war auf der Suche nach einer Rockband. Ein guter bekannter Musiker - Bernhard Kandut von CANTERRO - sagte mir dann, dass der Michael und der Eugen von den PRISONER einen Bassplayer suchen. Das war circa im Jahre 1988. Ich rief damals Michael an und schon bei der ersten Probe war alles klar. Die zwei sind tolle Musiker und wir spielten auf Anhieb richtig gut zusammen. Michael und ich wechselten uns beim Gesang ab und spielten alte und neue PRISONER-Songs sowie etliche Covers, zum Beispiel von VAN HALEN oder TOTO... natürlich mit Halbplayback! Wie erwähnt war ich bei der LP-Produktion noch nicht mit dabei, aber wir spielten trotzdem einige Lieder von diesem Album.





No Exit | © Prisoner



Ihr habt auch noch einige Demos aufgenommen...


Wir nahmen zwischendurch zwei Demotapes auf. Eines mit dem Titel DEAD OR ALIVE, welches die Songs "Dead Or Alive", "Take Another Drink Boy", "Drugs" und "Streets Of Babylon" enthielt. Das zweite Demo hieß TAKE ME AWAY. Darauf war "Lessons To Learn", "Take Me Away" und eine überarbeitete Version von "Dead Or Alive" zu hören.




Liegen diese Songs noch unveröffentlicht in der Schublade herum
oder wurden die später weiter verwendet?



Diese Songs spielt heute niemand mehr von uns und veröffentlicht
wurden sie leider auch nicht. Finde ich aber sehr schade!





Im Jahre 1991 habt ihr mit PRISONER in Feldkirchen gespielt. Eine weitere Band
an diesem Tag waren die BLACK ROSES, die dich daraufhin abgeworben haben.
Wie kam es zu dem spontanen Wechsel?



Bei dieser Veranstaltung hörte ich die Jungs von BLACKROSES zum ersten Mal.
Ich kannte sie schon länger, hatte aber noch nie ihre Musik gehört. Damals hatten sie einen Leadsänger, der nach diesem Gig ausstieg. Ein paar Tage später rief mich der Tino von den BLACKROSES an und meinte: "Hey Sigi, wie schaut's aus... wir brauchen einen Sänger".






Prisoner | © Prisoner



Und du hast dir die Chance nicht entgehen lassen...


Na klar, ich stieg natürlich gerne als Leadsänger in diese Metalband ein. Die Musik der vier Jungs gefiel mir sehr. Eine tolle Sache. Nach vielen Probestunden mit den ROSEN stand dann bald der erste Gig vor der Tür, jedoch verließ uns da der Bassist. Der war auf einmal wie verschollen. Niemand wusste, wo er ist bzw. was er tut. Tja, und von dann an übernahm ich neben dem Gesang auch noch den Bass.




Wie ging es dann eigentlich mit PRISONER weiter?


Nach wie vor war ich auch bei PRISONER als Bassist und Sänger tätig. Allerdings dachte ich mir damals schon, dass ich lieber bei den BLACKROSES spielen würde. Die Jungs von PRISONER waren zwar nicht sehr begeistert und fanden auch nicht so schnell einen Bassisten. Ich spielte daher noch den einen oder anderen Gig mit ihnen, aber nach einiger Zeit verließ ich die Band. Michael und Eugen spielten danach nicht mehr. Sie machten eine "kleine Pause", wie sie es nannten. Wir sind aber trotzdem immer gute Freunde geblieben.




Kommen wir zu den BLACKROSES. Bei der Feldkirchner Rockfete wurde 1997 ein Auftritt mitgeschnitten und als Live-CD veröffentlicht. Wie sind deine Erinnerungen an den Gig?


Halleluja, das war damals was. Ein Livemitschnitt wäre ja ganz einfach gewesen, aber der Gitarrist wurde genau zu diesem Zeitpunkt zum Bundesheer einberufen. Da brauchten wir natürlich Ersatz! Es war damals nicht einfach, einen Gitarristen zu finden, der unserem Heribert das Handtuch reichen konnte. Aber siehe da, Sigo Greschitz - ein in Kärnten sehr bekannter und überdurchschnittlicher Gitarrist - erledigte das bravourös und so fand der Mitschnitt doch noch statt. Die CD gibt es übrigens noch in einer zweiten Auflage...





Blackroses | © www.blackroses.at



Bereits vor der Jahrtausendwende habt ihr euer erstes reguläres Studioalbum aufgenommen. Es wurde aber letztendlich nie veröffentlicht. Warum eigentlich?


Damals wollten wir eine Pause einlegen. Damit man eine Erinnerung hat, haben wir gesagt, wir nehmen unsere Lieder im Studio auf. Damit wir - wenn wir wieder weitermachen - wissen, was wir getan haben. Haha... gar nicht so dumm, oder? Leider wurden die Aufnahmen aber nie fertig gestellt. Ich habe auch keine Ahnung mehr warum. Trotzdem haben die BLACKROSES wieder zueinander gefunden.




Umso erwähnenswerter ist, dass ihr genau 10 Jahre später
- im Jahre 2009 - die CD "March Of Time" herausgebracht habt...



"March Of Time"... der Titel sagt wohl alles! Sozusagen sind wir noch immer die Alten und rocken uns den Hintern wund. Auf der CD findet man alte Songs von damals, aber auch ganz neue im Stil von BLACKROSES - also der "Carinthian Metal Art" – sind zu hören.




Arbeitet ihr bereits am Nachfolger zu "March of Time"?


Ja logo, der Nachfolger ist bereits in Arbeit... 2013 schätze ich!!!
Aber mehr dazu dann, wenn es so weit ist.






March Of Time | © www.blackroses.at



Eine weitere Band, in der du bis heute aktiv bist, sind die JAM TRAX...


Ich habe damals, noch vor der BLACKROSES-Trennung, Ausschau nach ein paar Musikern gehalten - weil ganz ohne geht das bei mir halt gar nicht -, die ich dann auch fand.
Die JAM TRAX wurden in dem Jahr geründet, als sich BLACKROSES eine Auszeit gönnte.





Mit der Band hattet ihr euch am Anfang, wie auch die Cover-CD "No Need To Be Different" zeigt, eher auf Hardrock-Coverversionen spezialisiert...


Ja, wir spielten Songs von LENNY KRAVITZ, CHEEP TRICK, AC/DC, den BEATLES, den BLUES BROTHERS, usw. und nahmen auch sofort das Album auf. Die Coversongs kamen sehr gut an, aber irgendwie entwickelte sich die ganze Sache dann in Richtung Blues-Rock.




Was auch auf eurer zweiten CD zu hören ist...


"Still Not Different" ist - wie du schon sagst - die Abwandlung zum Blues-Rock.
Diese Art liegt uns einfach sehr gut. Dieses Album enthält einschließlich Eigenkompositionen und ist übrigens die einzige CD, auf der unser legendäre Song "Too Much Beer And Too Much Whisky" zu hören ist.






Jam TraX | © Austrorock.at



Vor drei Jahren kam dann eure letzte CD "Homesick" auf den Markt...


Auf diesem Album sind ebenfalls alles Eigenkompositionen sowie etliche Gastmusiker zu hören, wie z.B. Jörg Frießnegg (BLUESBREAKERS, JOHN DEER), der BLACKROSES-Gitarrero Tino, oder Sigo Greschitz - ein Virtuose auf der Gitarre. Alles in allem ein interessantes Werk.




Wann kann man mit einem neuen JAM TRAX-Release rechnen
und wie wird der stilistisch aussehen?



Der Stil ist schon der, den wir auch in Zukunft beibehalten werden. Wir haben heuer im Herbst vor, ein paar Lieder aufzunehmen, welche wir als Single-CD veröffentlichen wollen. Ein komplettes Studioalbum gibt es dann erst Ende 2013 wieder.




Im Zuge eurer Konzerte habt ihr mit Rockgrößen wie NAZARETH, THE ANIMALS und den
T-REX auf der Bühne gestanden. Wie ist das Gefühl, mit solchen Giganten die Bühne zu teilen?



Ja weißt du, das Gefühl ist richtig toll! Einzigartig... das sind richtig tolle Leute. Wir hatten mit jedem von denen einen riesigen Spaß. Das sind noch richtige alte Haudegen... großartig. Mit NAZARETH und T-REX waren wir sogar noch lange unterwegs. Es sind wirklich ganz tolle Leute, kein bisserl arrogant oder oberflächlich. Richtige Kumpel halt wie man sie kennt...





Sigi Hatberger | © Stefan/Austrorock.at



Abschließende Worte?


Abschließend möchte ich mich noch einmal für das Interview bedanken.
Hat mich wirklich riesig gefreut. Hoffe, wir bleiben auch in weiterer
Zukunft in Kontakt...




Auf alle Fälle!
Inzwischen sag ich mal danke für das Interview.


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