Interview mit Joe Eder (Dezember 2007)



Es gibt wenige Musiker, die in so vielen Projekten involviert sind wie Joe Eder.
Neben SPEED LIMIT, TORSO und RITCHMORE fungiert der symphatische Gitarrist auch noch
bei HERZBLUT und NICI & THE DUDES. Höchste Zeit also, Joe auf den Zahn zu fühlen...


Photo: Joe Eder



Du hast vor geraumer Zeit bei SPEED LIMIT die Saiten gezupft.
Wie kamst du eigentlich zu der Band?


Zu SPEED LIMIT kam ich 1989. Sie waren gerade auf der Suche nach einem Ersatz für Heli Lennart (BELPHEGOR) und hatten bereits ein paar Gitarristen ausprobiert, u.a. Milan Polak - später bei Falco und Mike Varney. Zufällig kam es im Zuge eines Band Aid-Konzertes für das gerade in Planung befindliche Salzburger Rockhouse zu einer tollen Rock-Session u.a. mit Günter Maier (ex U8), Lem Enzinger (damals SCHUBERT), Ali Hilzensauer (später STYGMA IV), Andy Rethmaier und Chris Pawl von SPEED LIMIT sowie meiner Wenigkeit.

Am Tag drauf bekam ich eine Einladung zum Vorspielen, eine Woche später war ich in der Band und zwei Wochen später mit ihnen als Support von UDO und CHROMING ROSE auf der Bühne im Rockhaus Wien. SPEED LIMIT hatten gerade mit "The Prophecy" ein vielbeachtetes Album am Markt und waren ganz gut im Geschäft. Die Single "Lady" hatte europaweites Video-Airplay und war auf jeder Menge Sampler, u.a. in Kanada und Japan, vertreten. Auch das Nachfolger-Album war bereits in Planung, der Großteil der Songs war geschrieben. Wir konnten gut zusammenarbeiten und hatten eine richtig gute Zeit.



Warum habt ihr euch dann nach dem dritten Album aufgelöst?

Leider kam es aus "musikalischen und persönlichen Differenzen" nach rund einem Jahr zur Trennung von Sänger Stefan Hogger, welcher durch Chris T. Ebert ersetzt wurde. Wir spielten in der Zeit u.a. die Süddeutschland Tour mit URIAH HEEP und NAZARETH, Supports für GIRLSCHOOL und andere tolle Shows in Deutschland, Österreich und Italien. 1991 wurde "Perfect Inspiration" aufgenommen und herausgebracht. Leider konnte das Album nicht an die Erfolge von "The Prophecy" anknüpfen.
Später kam es dann auch zu diversen Drummer-Wechseln. Andy Rethmaier wurde durch Ex U8-Drummer Kurt Rumpf ersetzt, dieser später durch Fred Forrester von BOOGIE STUFF und wie Anfang der 90er für viele Metal Bands wurde es auch für SPEED LIMIT eng. Im November 1994 spielte die Band zusammen mit ALKBOTTLE das letzte Konzert im Salzburger Rockhouse.



Soviel ich gehört habe, hattet ihr zwischen "The Prophecy" und "Perfect Inspiration" bereits
ein Album fertig, nur kam es wegen Problemen mit der Plattenfirma nie zur Veröffentlichung.
Was ist aus diesem Output geworden?


Da hast du gut recherchiert! Tja, zu den Problemen mit der Plattenfirma kann ich nicht viel sagen: Habe ich vergessen und war auch zu wenig in diese "legal affairs" involviert. Fakt ist, dass das Album fertig war und sogar richtig gutes Songmaterial hatte. Über die Güte der Produktion kann man soundtechnisch sicher geteilter Meinung sein. Ich hab mal auf einer Plattenbörse eine schwer illegale CD unter dem Namen "STEVEN" entdeckt, wo diese Aufnahmen drauf waren.



Photo: Joe Eder



Kann es sein, dass ihr sie irgendwann legal veröffentlicht?

Da liegen die Rechte an den Aufnahmen bei der Plattenfirma.



Was war den das Verrückteste, das dir zum Thema SPEED LIMIT einfällt?

Oh, da gibt's eine Menge verrückter Geschichten - vieles ist sicher nicht druckreif. Eine Geschichte aus Italien: Wir waren für ein Open Air in Bozen gebucht und wollten nach dem Soundcheck noch etwas essen. So begaben wir uns in ein nettes kleines Gasthaus und langten gerade kräftig zu, als einer von uns so kleine krabbelnde Punkte auf dem Speck entdeckte. Wir wollten nichts riskieren und so versuchte jeder seinen Mageninhalt wieder herzugeben. Schlussendlich sahen wir alle nicht mehr sehr gesund aus. Teils kreidebleich, teils mit verquollen Augen tauchten wir beim Konzert auf. Die Veranstalter und Crew glaubten wahrscheinlich, wir haben unsern Gemütszustand drogentechnisch "getuned". Jedenfalls hatten alle mächtig Respekt, wenn du verstehst, was ich meine. Auf alle Fälle war's dann ein überaus toller Gig vor rund 5000 Leuten. So was bleibt in Erinnerung! Ich kann also Speck aus Südtirol als Doping absolut empfehlen!



Du hast mal erwähnt, das alle Mitglieder von SPEED LIMIT noch heute gut
befreundet sind und die Möglichkeit bestünde, die Band wieder zum Leben zu erwecken?
Wie konkret ist der Gedanke und wie stehen die Chancen dazu?


Gratulation! Guter Zeitpunkt für diese Frage! Da triffst du mich jetzt an meiner Achillesferse! Hm. Wir wollten ja eigentlich noch nicht darüber sprechen und es gibt auch noch nichts Konkretes zu berichten. Aber, wollen wir mal nicht so sein und für euch - also quasi weltweit exklusiv - folgendes zu Protokoll geben: Wir haben uns - und zwar die Variante mit Sänger Stefan Hogger - in den letzten Wochen ein paar Mal inklusive Instrumente getroffen, um ein wenig Spaß zu haben und die Lage zu sondieren. Ich kann dir berichten, es macht richtig Laune wieder zusammen Musik zu machen. Unglaublich wie sich das im Jahr 2007 anhört.

Wir haben ja in der Besetzung über 15 Jahre nicht mehr gespielt. Stefan singt besser als je zuvor und auch die restliche Mannschaft ist sehr auf den Punkt, obwohl sie teilweise schon einige Jahre nichts gemacht haben. Wie gesagt, wir haben noch nichts geplant. Einzig uns allen ist klar, dass wir kein Aufwärmen von kaltem Kaffee wollen. Wir wollen nach vorne schauen und uns auf keinen Fall auf das verlassen, was mal war. Wir wissen ja auch nicht, ob das noch irgendjemanden interessiert. Wir sind alle reifer geworden, schlichtweg auch besser und wie heißt's so schön: The Best Is Yet To Come! Aber wir halten dich auf dem Laufenden! Versprochen!







Erzähl mal ein wenig über deine andere Band TORSO?

TORSO sind in erster Linie mein Bruder und Sänger Andy und ich. Wir kennen uns (no na!) jetzt an die 40 Jahre und haben 1988 die Band TORSO gegründet, welche in ihrer ersten Phase circa ein Jahr als "working band" funktionierte. Damals wie heute waren Schlagzeuger Wolfgang Krug und Basser Ali Hilzensauer mit von der Partie. Wir hatten damals einige "Achtungserfolge" und gute Gigs. Die Szene in Salzburg war damals richtig gut, zusammen mit Bands wie Lovechild, Innocence, Speed Limit, U8/Touch of Fire, Chalice usw. 1989 kam dann das Angebot von SPEED LIMIT und Andy kümmerte sich um seine berufliche Karriere. Circa 2003 haben wir dann entschlossen, die Sache wieder zu starten und ein paar Aufnahmen zu machen. Schlussendlich wurde es ein ganze Album - "Once And For All" - und 2005 das "offizielle Comeback"!
Mehr kann man unter www.torso-rocks.com nachlesen.



Das erwähnte Album ist nun auch schon eine zeitlang auf dem Markt.
Kann man wieder ein neuen Tonträger von euch erwarten?


Ja, die Aufnahmen zum Nachfolger haben schon begonnen, allerdings wird es wohl noch etwas dauern, bis alles unter Dach und Fach ist. Außerdem wird gut zu überlegen sein, in welcher Form die Songs veröffentlicht werden sollen. Es gibt ja in Zeiten des Internets auch alternative Möglichkeiten zur herkömmlichen CD. Wobei ich schon sagen darf, dass ich mich zu den Freunden des "klassischen" CD-Formats zähle. Derzeit sind drei Songs im Kasten. Songmaterial ist zur genüge vorhanden. Nachdem alle Bandmitglieder recht umtriebig und beschäftigt sind, traue ich mich nicht einen genauen Zeitpunkt zu nennen.



Du hast mit TORSO letzten Monat im Salzburger Rockhouse ein Konzert
als Vorgruppe von NO BROS gegeben. Wie waren die Resonanzen darauf?


Aufgrund der erwähnten Rahmenbedingungen spielen TORSO nur vereinzelt live. Zuletzt als Support für THUNDER und eben mit unseren Tiroler Freunden NO BROS. Resonanzen waren recht gut, obwohl ich nicht verleugnen will, dass relativ wenig Publikum da war (rd. 100), was vor allem an dem Donnerstagtermin gelegen haben mag. Die Leute, die's miterlebt haben, sind meiner Meinung nach voll auf ihre Kosten gekommen. Nachdem wir anlässlich der letzen TORSO CD-Präsentation eine eher halsbrecherische "Black Night"-Version von Deep Purple mit NO BROS Gitarrist Klaus Schubert als Gast zum Besten gegeben haben, haben wir beschlossen, nur mehr "hintereinander" auf die Bühne zu gehen. "Miteinander" können wir am besten Bier trinken und haben wir auch ausgiebigst. Ich erzähle aber nicht, wer bei NO BROS am längsten mitgehalten hat...



Photo: Joe Eder



Und wie war das mit dem Weltrekord auf YouTube?

Ja, lustige Geschichte. Wir sind ziemliche Dokumentationsfreaks, so nehmen wir viele unserer Gigs auch mit mehreren Kameras auf. Und in diesem Fall haben wir es geschafft, knappe 30 Stunden nach dem Gig den neuen TORSO Song "As Hard As It Gets" als fertig geschnittenen Live-Clip auf YouTube zu veröffentlichen. Dort sind übrigens einige TORSO-Clips zu bewundern.



Du spielst auch noch mit Ritchie Krenmaier von den ehemaligen STYGMA IV in einer Band
namens RITCHMORE, in der ihr Coverversionen von Deep Purple & Rainbow zum Besten gebt...


Ja, wir sind gerade noch sehr euphorisch! Wir haben am 10 November unseren Debut-Gig als RITCHMORE im Salzburger Rockhouse gespielt und dabei die Bude so ziemlich ausverkauft. Außerdem habe ich selten eine derart gute Stimmung in Salzburg erlebt. Es war wirklich ein außergewöhnlicher Abend. Mal sehen wie das weitergeht. Eigentlich haben wir beinahe in der selben Besetzung schon mal vor 10 Jahren ein One Off "Ritchie Blackmore-Tribute" gespielt, welches damals auch recht gut angekommen ist. Damals noch unter dem an Größenwahnsinn nicht zu überbietenden Namen "Joe Eder's Rainbow". NO BROS Gitarrist Klaus Schubert, damals Gast, hat seine Version von "Smoke On The Water" von diesem Gig auf seine "Anniperversary" CD gepackt. Du musst wissen, dass ich ein großer Bewunderer von Ritchie Blackmore bin und es für mich eine große Ehre ist, mit diesen tollen Mitmusikern - neben Ritchie und Beda noch Mike Burgstaller am Keyboard und Andy Brötzner am Bass - spielen zu dürfen. Jedenfalls waren wir alle wie beflügelt und das Publikum hat's begeistert aufgenommen. Wir wollen die Sache auch fortführen und, nachdem nächstes Jahr das 40jährige Jubiläum von DEEP PURPLE ist, werden wir wohl einige Bühnen dafür finden. Anfragen sind jederzeit willkommen!!! Wir spielen dabei auch viel RAINBOW-Material und vor allem nicht nur die üblichen Gassenhauer.
Have a look at: www.ritchmore.com



Photo: Nici And The Dudes



Neben den vorher genannten Bands kommen nun auch noch HERZBLUT und NICI & THE DUDES
auf dein Konto. Was hat es den mit diesen beiden Bands auf sich?


HERZBLUT ist ein Rockprojekt mit Texten in deutscher Sprache. Wir hatten zwei CDs - "Totale Euphorie"/2000 und "HeissKalt"/2004 - produziert, aber es ist nie so richtig los gegangen. Trotzdem will ich diese Zeit nicht missen.
NICI & THE DUDES ist eine Funk-, Soul-, Poprock-Formation mit der einzigartigen Nici Bergen am Gesang, eine gute Freundin von mir. Mitunter hatten wir das volle Programm mit Bläsern und Chorsängerinnen auf der Bühne. Ziemlich groovige und leidenschaftliche Sache. Wir haben 2003 die CD "Whatever The Deal May Be" herausgebracht, später dann aber vor allem Cover -und Top40 Programm gespielt.



Deine 5 Austrorock Lieblingsalben?

NO BROS: Heavy Metal Party
STYGMA IV: Solum Mente Infirmis
ROCKIP: The Boxer
BALLROOM BLITZ: Ballroom Blitz
U8: The Shaber

Und meine Eigenen natürlich auch!


Hast du noch irgendwelche abschließenden Worte?

Ich komme mir jetzt nach deinem Interview ziemlich alt vor. Liegt wohl daran, dass du mir zu vielen schönen Erinnerungen verholfen hast. Aber glaubt mir, ich denke, dass die nächsten Jahre noch so richtig spannend werden, gerade auch für die "AUSTROROCK-GEMEINDE". Die Barometer zeigen jedenfalls steil nach oben. Großes Kompliment auch für diese tolle Internetseite. Es sind gerade Leute wie ihr, die uns dazu bringen, diesen ganzen Blödsinn mitzumachen. Weiter So!


AUSTROROCK 2007 USED BY PERMISSION